Rittertraum und Unterbewusstsein – Mein Deep Dive in die Traumanalyse

Am Ende war keine Erleuchtung

Ich dachte lange, wenn ich nur tief genug in mein Unterbewusstsein hinabsteige, würde ich irgendwann den Boden erreichen und verstehen, wer ich wirklich bin. Ich glaubte, irgendwo dort unten müsse ein Kern liegen. Eine letzte Wahrheit. Eine endgültige Antwort. Irgendwas das „Erleuchtung“ bringt.

Ich lag falsch.

Seit über 30 Jahren beobachte ich meine Träume. Vor etwa zwei Jahr begann ich ihnen zum ersten Mal wirklich zu vertrauen und auch danach zu handeln. Vielmehr vertraute ich mehr meiner Fähigkeit, zu wissen, was mir meine Träume sagen wollten, nachdem ich sie so lange beobachtet hatte. Meine Träume waren nicht mehr nur interessante Bilder oder psychologisches Nebenprodukt der Nacht, sondern etwas, das tatsächlich mit meinem Leben kommuniziert.

Nach Jahrzehnten hatte ich langsam verstanden, welche Tagesereignisse bestimmte Bilder hervorriefen, wie mein Unterbewusstsein Erlebnisse verarbeitete und wie sich innere Konflikte oder Entscheidungen in meinen Träumen spiegelten. Ab diesem Punkt wirkten Träume für mich nicht mehr wie bedeutungsloser Unsinn oder etwas das andere für mich dechiffrieren mussten, sondern ich selbst konnte sie lesen und das sogar besser, als so mancher Psychologe.

Mit Träumen arbeiten bedeutet mehr, als sie nur zu deuten

Und ich begann, danach zu handeln. Nicht im Sinne von: „Meine Träume sagen mir die Zukunft voraus.“ So funktionierte das nie. Kein Traum sagte mir: Kauf eine Burg. Kündige deinen Job. Schreibe ein Buch.

Es war und ist viel subtiler und gleichzeitig viel wirklungsvoller. Es ist eher ein Gefühl von: Hier stimmt etwas nicht. Hier musst du genauer hinsehen. Diese Entscheidung belastet dich mehr, als du dir eingestehst. Oder: Du verrätst dich gerade selbst.

Mit der Zeit traf ich immer häufiger Entscheidungen, die nicht unbedingt auf den ersten Blick vernünftig waren, aber die sich wahrhaftig nach mir anfühlten. Ich vertraute meiner Intuition stärker und begann mich zu fragen, wohin das führen würde, wenn ich diesen Weg wirklich konsequent weiterging. Ich ging ihn und gehe ihn noch. Und nach zwei Jahren sehe ich auch, wo das hinführt.

Doch von Vorne: Vor zwei Jahren begann ich bewusst meine Träume regelmäßig aufzuschreiben und meine Traumerinnerung zu optimieren. Das geht reicht einfach. Nachdem ich mich fast nächtlich an mindestens einen Traum erinnerte, begann ich einen Deep Dive in das Unterbewusstsein.

Ein Jahr voller Träume

Je mehr Aufmerksamkeit ich meinen Träumen schenkte, desto stärker wurden sie.

Im vergangenen Jahr erinnerte ich mich an fast 360 Träume. In manchen Nächten sogar an mehrere. Nächte ohne Traumerinnerung wurden selten. Ich, trainierte meine Traumerinnerung und begann, über Hypnose mit meinem Unterbewusstsein über die Traumbilder Bilder zu kommunizieren. Mein Ziel: Mich selbst zu verstehen, mir sozusagen selbst auf dem Grund zu gehen. Vielleicht erhoffte ich mir tatsächlich etwas wie „Erleuchtung“. Also versuchte ich immer tiefe in mein Unterbewusstsein vorzudringen.

In meinen Träumen waren das Träume die durch Tunnel in die Tiefe führen, Abgründe an deren Rand ich stand, Gebäude mit Hintertüren die in dunkeln Gängen mit Türen führten, Schlösser mir verborgenen Winkel und unzähligen dunklen Wäldern und tiefen Gewässern. Ich war gefühlt in jedem dunklen Winkel meiner Seele. Manchmal war das schwer auszuhalten, aber da ich es nicht als Alptraum bezeichnet, sondern als „Selbsterforschung“ konnte ich damit gut umgehen. Ich war von Anfang an bereit mich meiner dunkeln Seite zu stellen. Aber: Es gab natürlich auch „schöne“ oder „normale“ Träume.

Wenn aus Träumen Wirklichkeit wird

Und irgendwann geschah etwas Seltsames: Je tiefer ich in meine innere Welt eintauchte, desto stärker begann sich mein reales Leben zu verändern. Es war als würde die Aufmerksamkeit, die ich meinen Innersten schenkte, sich im Außen wiederspiegeln.

Ich wurde Teil einer Gruppe Schriesheimer Bürger, die sich zur Stiftung Strahlenburg zusammenschloss und 2,5 Millionen Euro zusammenbrachte, um die Strahlenburg zu kaufen. Das ist die Burg über die ich in meiner Freizeit seit 5 Jahren schreibe. Gleichzeitig fing ich wieder an wirklich massiv zu schreiben, und dass, obwohl ich dafür viel weniger Zeit hatte, als noch vor 5 Jahren. Mein Protagonist, Ritter „Conrad von Strahlenberg“ kehrte in mein Leben zurück. Aber trotz all der Beschäftigung mit dem Mittelalter, tauchte nie ein Ritter in meinen Träumen auf.

Und doch: Dinge, die jahrzehntelang wie Träume oder Fantasien gewirkt hatten, begannen plötzlich Realität zu werden. Etwa der Satz, den ich jahrelang zu meinen Mann sagte, wenn wir an der Burg vorbeiliefen: „Eines Tages kaufe ich diese Burg!“ Das war ein Satz, den ich irgendwann mal aus Spaß sagte, und dann aus Gewohnheit, einfach weil ich von der Burg und ihrem Ritter am Tag träume. Es wurde zur Gewohnheit und ich begrüßte die Burg jeden Tage mit : „eines Tages kaufe ich diese Burg“…5 Jahre lang. Gute 2000 Mal. Das war nun Wirklichkeit geworden!

Und während mein Wachleben immer intensiver wurde, landete ich in meinen Träumen immer tiefer unten.

Der Cyankali-Traum

Dann kam der letzte Traum dieser langen Serie täglicher Träume. Das war zu der Zeit, als die Burg an die Stiftung überging.

Ein „Cyankali-Traum“: Ich biss im Traum auf eine Zyankali-Kapsel und erwartete zu sterben. Das Merkwürdige daran war nicht der Tod, sondern wie selbstverständlich alles wirkte. Keine Panik. Keine Angst. Kein Drama. Ich wusste einfach: Das muss jetzt passieren. Ich biss zu. Doch nichts geschah. Kein Schaum vor dem Mund. Keine Atemnot. Kein Ersticken. Es war, als hätte ich auf eine leere Kapsel gebissen. Im Traum blieb ich irritiert zurück. Warum funktionierte das nicht? War das jetzt richtig so?Und während ich noch darüber nachdachte, lief der Traum einfach weiter.

Heute glaube ich, dass mein Unterbewusstsein damals an einen Punkt gelangt war, an dem es mich nicht weiter hinunterführen wollte. Der symbolische Tod funktionierte nicht.

Und danach geschah etwas, das ich zunächst gar nicht bemerkte.

Die große Stille

Ich erinnerte mich plötzlich nicht mehr an meine Träume. Zuerst fiel mir das nicht auf, weil mein Wachleben meine ganze Aufmerksamkeit verschlang. Die Burg, die Wiederinbetriebnahme, die Planungen, die Zukunft, das Schreiben – alles war plötzlich gleichzeitig da. Mein Kopf war voller Gedanken. Meine Nächte dagegen waren rabenschwarz.

Wie ein Filmriss.

Wochenlang.

Erst später begriff ich, dass ich mich seit langer Zeit an keinen einzigen Traum mehr erinnert hatte. Für jemanden, der sich zwei Jahr lang fast täglich an Träume erinnert hatte, war das fast beängstigend. Bin ich kaputt? Mein Unterbewusstsein war plötzlich still geworden. Oder vielleicht arbeitete es einfach ohne mich weiter.

Wie ein Ritter im Traum mich aus dem Labyrinth meiner Selbst holte

Dann kam der erste Traum nach fast 3 Monaten nächtlicher Stille, oder vielmehr Schwärze.

Der Ritter erscheint im Traum: Ich stieg in der Burg in einen Gang hinab. Ich kannte diesen Gang bereits. Er führte tief in die Dunkelheit. Alles dort unten war schwarz und ich wusste, dass man sich dort verirren konnte. Ich wusste auch, dass dort unten Dinge lauerten. Vor allem aber wusste ich, dass ich selbst schon einmal dort gewesen war.

Fünf Tage und Nächte lang war ich in diesem Labyrinth umhergeirrt, immer weiter in die Tiefe, auf der Suche nach dem Ursprung dieses Ortes. Doch ich hatte nie einen Boden gefunden. Es gab keinen Boden. Nur Tiefe. Damals hatte ich schließlich zufällig einen Ausgang entdeckt: einen schmalen Spalt zwischen mittelalterlichen Häusern, voller Geröll und Steine. Kein richtiger Weg. Eher eine versteckte Öffnung, die man leicht übersehen konnte. Aber ich hatte diesen Ausgang gefunden.

Und nun war ich wieder dort unten. Neben mir lief ein Freund, doch schon nach wenigen Metern bekam er Angst. Ich selbst hatte diese Angst nicht mehr. Ich kannte die Tiefe längst und ich wäre wohl weitergegangen, wenn nicht ein Ritter im Traum erschien wäre. Er schickte zuerst den Freund zum Ausgang, dann, inmitten diesem dunklen Irrweg, nahm er meine Hand und wollte etwas auf mein Hemd malen. Ich flüsterte ihm ins Ohr, dass er sein Baby auf meinen Bauch malen könnte, denn dass trug ich ich unter meinem Herzen. Er lächelte. Dieses Lächeln werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Dann führte er mich hinaus aus der Dunkelheit, brachte mich zu einem Sofa und deckte mich mit einer rot karierten Decke zu. Ich solle mich ausruhen. Mich erholen.

Ich war wieder im Licht.

Und plötzlich verstand ich: Mein Unterbewusstsein wollte mich nicht länger tiefer führen. Es wollte mich zurückholen. Ans Licht, ins Leben.

Der Wendepunkt

Ich saß fast den ganzen Tag vor diesem Traum und starrte meine Aufzeichnungen einfach nur an. Jedes Detail war präsent. Alles fühlte sich wie ein Wendepunkt an.

Und vielleicht war es genau das.

Heute glaube ich, dass diese Monate ohne Traumerinnerung keine Leere waren, sondern eine Metamorphose. Während ich bewusst nichts wahrnahm, begann sich etwas in mir neu zu ordnen. Und genau in dieser Phase veränderte sich mein reales Leben massiv. Die Burg wird aktuell Schaffensmittelpunkt. Conrad ist so was wie mein zweiter Denkraum geworden und das Schreiben ist wieder im Flow. Die Zukunft kann kommen.

Alles begann plötzlich, Form anzunehmen.

Zwei neue Archetypen

Der Traum brachte mir zwei neue Figuren: den ängstlichen Freund und den Ritter.

Carl Gustav Jung hätte den Freund vermutlich als einen unsicheren Bewusstseinsanteil beschrieben. Nicht schwach im moralischen Sinn, sondern menschlich verletzlich. Der Teil in uns, der spürt: „Hier unten könnte ich mich verlieren.“ Doch ich war bereits dort unten gewesen. Ich kannte die Tiefe. Deshalb hatte ich diese Angst nicht mehr.

Der Ritter im Traumdagegen wirkte archetypisch. Nicht einfach wie ein Mann, sondern wie eine innere Haltung. Er kennt die Gefahr, verliert aber nicht die Kontrolle. Er schützt. Führt. Begrenzt den Abstieg. Holt mich zurück ans Licht. Und vor allem trägt er Verantwortung für Zukunft. Das Baby war dafür das entscheidende Symbol. Der Ritter stand nicht mehr für Kampf. Er stand für Leben und sorgte sich darum.

Vielleicht hätte Jung darin eine Form des sogenannten Animus gesehen – das innere männliche Gegenüber in der weiblichen Psyche. Und tatsächlich: In all meinen Traumaufzeichnungen war noch nie ein Ritter erschienen. Ich hatte mir oft gewünscht, dass Conrad auftaucht, aber er blieb immer fern.

Bis zu diesem Traum. Vielleicht habe ich das so lange gewünscht, das es nun eingetreten ist – wie die Burg, die ich eines Tages kaufen würde, nun im Besitz der Stiftung Strahlenburg ist, zu der ich gehöre.

Was ich daraus gelernt habe

Haben mir meine Träume gesagt, dass ich eine Burg kaufen soll? Nein.

Dass ich dort oben Bildung machen soll? Nein. (Aber das ist mein Traum für die Wachwelt und den werde ich umsetzten!)

Dass ich ein Buch über Conrad von Strahlenberg schreiben soll? Auch nicht.

Aber sie haben mir etwas anderes beigebracht: Meiner eigenen Intuition zu vertrauen.

Ohne diese intensive Traum- und Hypnosearbeit hätte ich mich vermutlich nie getraut, mich wirklich auf diesen Weg einzulassen. Ich hätte Sicherheit gesucht. Einen vernünftigen Plan. Einen sicheren Beruf. Stattdessen begann ich loszulassen. Und genau dadurch entstand etwas Neues.

Heute glaube ich: Der Ritter im Traum war ein Metamorphose-Traum. Die Monate der Stille waren kein Verlust. Sie waren ein Umbau. Vielleicht war die Zyankali-Kapsel tatsächlich eine Art symbolisches Sterben und der Tod, oder der Sturz in den bodenlosen Abgrund, zeigten sich durch die monatelange Traumstille.

Aber es war eben kein Tod, sondern ein Zustand, in dem etwas Neues entstand.

Vielleicht besteht Heilung nicht darin, den letzten dunklen Raum der Seele zu finden. Vielleicht besteht sie darin, irgendwann wieder ans Licht zurückzukehren und dort etwas echtes wachsen zu lassen.

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