Vom Glauben, der Funkstille und dem Arbeitslärm

Fast zwei Monate war es hier im Tagebuch still – aber in mir war es laut und ich habe meinen letzten Trumpf gezogen: meinen Glauben.
Warum war es still: Nicht nur, dass ich meinen aktuellen Auftraggeber noch zufriedenstellen darf, auch über Epigenius habe ich viel nachgedacht. Das „Bauchladen“-Problem hat mich immer wieder eingeholt:

Wie verkauft man Ganzheit, ohne zu überfordern?
Wie bleibt man breit aufgestellt – und trotzdem sichtbar?
Und wenn man etwas herausschneidet – was?

Ich glaube, ich habe eine Entscheidung getroffen. Keine leichte. Ich hänge an allen meinen Themen. Aber solche „Cut-off“-Entscheidungen brauchen Kraft – und Nerven. Und das alles inmitten eines finanziellen Überlebenskampfs zu stemmen, ist einfach brutal.

Denn das ist die Krux, wenn man eine zweite Selbstständigkeit aus der ersten heraus aufbaut:
Wann legt man den Schalter um?
Wann kann man Altes loslassen, wenn das Neue noch nicht trägt?

Ich habe laufende Kosten: Steuern. Krankenkasse. Miete. Essen. Familie.
Und das alles bei Lohnsteuerklasse 5. Es blieb kaum etwas zum Leben – selbst bei Klasse 3 und 14 % Krankenkasse.

Ganz ehrlich:

Wer solche Gesetze macht und es kleinen Selbstständigen so schwer macht, überhaupt zu überleben, gehört nicht in die Regierung.
Sorry, das musste mal raus – und das war noch sehr zahm formuliert.

Es fühlt sich schlimmer an als der Zehnt im Mittelalter – denn ich zahle deutlich mehr als ein Zehntel.

Kurz: Ich kämpfe an allen Fronten.

In der Gesellschaft gegen Überforderung.

  • In der digitalen Welt gegen Algorithmen.
  • In der finanziellen Welt gegen Engpässe.
  • In meiner inneren Welt gegen den Wunsch, hinzuschmeißen.

Was hilft?

Gott.

Zu ihm kehre ich zurück, wenn ich an Punkten wie diesem bin.
Der Glaube, dass es hinter allem einen größeren Sinn gibt.

Dass ich mich auf dieses eine Thema spezialisieren werde – das hat seinen Grund.
Gestern war mir das klarer denn je.

Doch es braucht noch Zeit.
Bis Jahresende, vielleicht. Und es braucht Mut.

Denn ich werde nur mit der Waffenrüstung Gottes (Epheser 6:13-17) ausgestattet sein – in einer Welt,
in der viele vergessen haben, dass es sie überhaupt gibt.

Werde ich zum Missionar? Fange ich nun an zu predigen?

Nein. Ich will niemanden überzeugen.

Aber für die von euch, die an ähnlichen Punkten stehen:
Glaube ist mein erstes und mein letztes Powertool gegen Stress und den Unbill der Welt.

Denn Glaube ist nicht im Außen zu finden.
Nicht in der Kirche. Nicht in einer bestimmten Form des Gebets.
Sondern in der tiefen, eigenen Ruhe.

Und zu erkennen, dass man mitten im Sturm der Welt
einen solchen Ruhepool in sich trägt
das gibt mir Kraft, nicht hinzuschmeißen,
sondern beständig weiterzugehen.

Auch wenn das bedeutet,
manchmal stehen zu bleiben –
oder ein, zwei Schritte zurückzugehen,
um wieder festen Stand zu finden.

Kraft zu sammeln. Und dann weiterzugehen.

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