Wenn Träume das Leben bestimmen

Ich verfolge meine Träume nun schon seit über drei Jahrzehnten. In meinen Traumaufzeichnungen habe ich so ziemlich jedes Traumbild irgendwann einmal notiert: Meere, Boote, Treppen, Türen, Vampire und sogar Gott hat im Traum schon zu mir gesprochen. Ich bin in Abgründe gefallen, habe Hinrichtungen gesehen, meinen inneren Guru erschossen, Youtuber geheiratet und in einem Bällebad sitzend die drei heiligen Könige an mir vorbeiziehen sehen.

Alles hatte und hat eine Bedeutung.

Doch seitdem ich begonnen habe, nach meinen nächtlichen Träumen zu leben, gehen plötzlich am Tag meine geheimsten Träume in Erfüllung. Und das ist … schräg. Unglaublich. Einfach völlig abgefahren.

Stell dir vor, du läufst tagtäglich am Wahrzeichen deiner Stadt vorbei und liebst dieses Wahrzeichen insgeheim schon seit deiner Kindheit. Bei mir war es die Strahlenburg in Schriesheim, meiner Heimatstadt. Ich liebe diese Burg seit dem ersten Moment, als ich sie vor fast 30 Jahren das erste Mal sah. Ich habe mir oft vorgestellt, wie es wohl wäre, diese Burg zu kaufen, dort zu wohnen oder sie mit Leben zu füllen. Eben diese Gedanken, die man manchmal still mit sich herumträgt und niemals ganz aufgibt.

Irgendwann saß ich vor dem Rechner und schrieb die ersten Sätze einer Geschichte, von der ich damals noch keine Ahnung hatte, was sie einmal werden würde: eine Rittergeschichte. Über Conrad von Strahlenberg und seine Burg.

Doch das Leben hatte erst einmal andere Pläne.

Ich bekam Kinder, arbeitete, funktionierte und vergaß die Geschichte wieder. Bis vor etwa fünf Jahren. Corona-Zeit. Parallel gründete ich die Draußenschule in Ladenburg mit und begann abends wieder zu Conrad zu recherchieren und zu schreiben. Und plötzlich war ich wieder angekommen. Im Schreiben. In dieser Welt. In dieser Burg.

Das Buch ist bis heute nicht fertig. Mittlerweile werden es vermutlich sechs Bände. Doch seitdem laufe ich an dieser Burg mit einem völlig anderen Blick vorbei. Ich dachte nicht mehr: „Wie wäre es, dort zu leben?“ sondern: „Wie war es wohl, dort zu leben?“ Beim Schreiben sah ich Conrad durch diese Mauern gehen. Ich fühlte die Räume. Roch das Holzfeuer. Sah Menschen über den Hof laufen. Und mit jeder Recherche liebte ich diese Burg noch ein bisschen mehr.

Und dann geschah vor ziemlich genau einem Jahr etwas völlig Unglaubliches:

Die Burg stand nach über 100 Jahren plötzlich wieder zum Verkauf.

Jede Faser in mir wusste, dass ich das Geld dafür niemals haben würde. Aber jede Faser wusste auch, dass sie diese Burg liebte.

Und dann fiel ein Dominostein nach dem anderen.

Eine Bürgerinitiative gründete sich, die die Burg kaufen wollte. Ich ging zu einem Treffen, wurde Gründungsmitglied eines elfköpfigen Stiftungsteams und plötzlich passierte das, was sich noch Monate zuvor vollkommen absurd angehört hätte:

Wir kauften die Burg.

2,5 Millionen Euro.

Nicht ich allein natürlich. Aber wir. Und ich war Teil davon.

Seitdem verbringe ich fast jede freie Minute dort oben. Wir haben die Burg wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Wir sichern sie, schützen sie, erhalten sie und versuchen, ihr neues Leben einzuhauchen. Die Burg meines Romanprotagonisten. Die Burg, die mich seit Jahrzehnten begleitet. Ich machte eine neue Webseite auf, auf der ich meine Geschichte und meine Arbeit an seinem Leben notiere: eine Autorenwebseite. Völlig unerwartet, weil meine Intuition mir sagte: Mach das jetzt!

Deshalb gab es hier auf Epigenius auch diese lange Sendepause.

Das alles war nie geplant. Aber vielleicht war es geträumt.

Und dann wurde es wahr.

Ich muss gestehen: Ich bin noch immer völlig geflasht davon. Auf seine Träume zu hören funktioniert wirklich. Dass wir – und damit irgendwie auch ich – eine Burg gekauft haben, ist wohl der verrückteste Beweis dafür.

Ich bin gespannt, was als Nächstes kommt. Doch eines ist klar: Ich werde in Zukunft sehr genau hinsehen, wenn ich nachts wieder an einem Abgrund stehe oder mich ein Ritter aus der Dunkelheit führt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen